Vom Pflaster, Zaster, Verkehr und vom Ankommen Warum Huehner auf Baeumen schlafen, damit Menschen schwimmen gehen…
Jan 08

Die Regensaison hat begonnen und die Erde saugt sich voll. Es sind immer noch geschätzte 27 Grad warm, in der Nacht kaum unter 24 Grad. Bei Nordwind werden die Regenwolken schnell herangetragen und regnen sich über den drei Gili-Inseln ab. Bei Süd-/Südostwind bleiben sie in Lombok an den Bergen hängen (immerhin teilweise über 3000 Meter hoch). Zwischenzeitlich war mein Brunnen wegen des heissen Wetters fast leer und meine Bemühungen den Brunnenbohrer zu erreichen, waren erfolglos.

Haus im Januar 2010

Im Moment wird sehr viel gebaut auf Gili Air und es ist schwierig, selbst für dringend notwendige Arbeiten, jemanden zu bekommen.
Mein Experiment, mein Zimmer ohne Decke zu lassen und dafür mit einem schlicht genialen Blick auf das Dach von innen zu haben, ist gescheitert. Gerade jetzt in der Regenzeit wird jede kleinste Lampe von Tausenden von Insekten und Käfern belagert. Schade, aber ich lerne dazu. Meine Lernkurve ist momentan sowieso sehr steil nach oben gerichtet. Ich brauche viel Geduld hier, was mir schwer fällt. Ich bin zwar ins Haus eingezogen, aber die nachträgliche Veränderung der Zimmerdecke bedeutet, dass ich wieder für die Bauzeit ausziehen muss. Sehr ärgerlich. Immerhin habe ich seit zwei Wochen Strom, was einige Leute, die seit einem Jahr und länger darauf warten, ziemlich verwundert. Über offizielle Wege lässt sich das nicht machen und dass man hier für viel, viel Geld den Stromzähler (der einen Anschluss überhaupt erst möglich macht) jemandem abkaufen muss, habe ich ebensowenig gewußt, wie die  Tatsache, dass hier sowieso alles unter der Hand geschieht. Man mag mich naiv nennen, aber immerhin, meine Naivität (wenn es denn eine ist) hat mich hierher gebracht. Ich glaube, jeder, der aussteigt aus  dem deutschen System -und wenn auch nur zeitweise-, muss ein gutes Stück naiv und sorglos sein.

Das freitägliche Spiel mit ein paar Gitarristen aus Lombok hat sich im Moment leider zerschlagen. Nach meiner Rückkehr aus Deutschland haben sie sich einen anderen Bassisten gesucht, der sich nach Kräften anstrengt, alle Noten wie im Original zu spielen. Er macht es wirklich gut, muss man anerkennen. Allerdings ist die super-lockere Atmosphäre vollkommen verschwunden, weil die “Band” nun auf sechs Leute angewachsen ist und jeder etwas Geld verdienen will. Ich war  der Einzige, dem das bisher vollkommen schnuppe war mit der Kohle. Natürlich bin ich sauer gewesen, dass ich so unfein rausgekickt wurde, ich habe mich aber zurückgehalten und warte ab. Auch hier  brauche ich Geduld. Im Kürze wird mein Equipment für meine eigenen Aufnahmen zusammen sein. Ich erfülle mir damit einen Traum, den ich zwar so nie ernsthaft geträumt habe, aber dennoch als Traum empfinde: ich kann in meinem eigenen Haus auf einer tropischen Insel Musik aufnehmen. So viel, so lange und so laut, wie ich will.

Während ich das hier schreibe, arbeitet im Hintergrund mein Mobiltelefon und sendet meine  kleine Galerie ins Blog. Geht -natürlich!- alles sehr langsam, aber es funktioniert und ist billig. Mit einigen Expats hier auf der Insel (Expat=Auswanderer/Aussteiger, die fest im Ausland wohnen) werde ich mich zusammenschliessen und über einen gemeinsamen Internetanschluss nachdenken. Jemand auf Lombok hat so eine Gruppe zusammen bekommen und sie machen das über Richtfunk, soweit ich das verstanden habe. Sollte sich einer meiner Leser damit auskennen, bin ich für jeden Hinweis dankbar.

Der Regen hat nachgelassen und durch meinen Garten fliegen die hiesigen Schwalben grandiose Kurvenmanöver. Mein grosses Vogelbecken wird von den Tauben genutzt, die kleinen Vögel sind noch zu feige. Wahrscheinlich warten sie aber auch einfach die blühenden Bäume ab, die ich gepflanzt habe. Alle zwei Tage kommen die Blumenhändler vorbei und zeigen mir ihre Waren. Ich bin aber kein guter Verhandlungspartner, inzwischen handele ich die Jungs auf ein Drittel ihrer Preisvorstellungen herunter. Ich sage nur: Lernkurve.

4 Antworten zu “Wind von vorn”

  1. Thorsten sagt:

    Hallo,
    bei der Sache mit dem Richtfunk könnte ich mir vorstellen das einer von Ihnen einen “Richtigen” Internetanschluss hat und die anderen sich an den Kosten beteiligen und diesen eben über dei Richtfunkstrecke mitnutzen. Quasi ein etwas vergrössertes WLAN betreiben, also schon fast WWAN :-) Die Zweite Möglichkeit wäre das sie sich direkt bei einem Provider aufschalten, aber das halte ich eher für unwahrscheinlich. Oder als Dritte spontan einfallende Möglichkeit: Nutzen die evtl. INet über Satelit ?

  2. Thomas sagt:

    Hallo Thorsten, vielen Dank fuer Deine Tipps. Ich denke, die erste Moeglichkeit ist die geeignetste. Jetzt muss ich nur noch die technische Huerde nehmen und jemanden finden, der sowas installieren kann. Ich kenne mich da nicht mit aus, zumal man hier genau wissen muss, was man braucht, sonst kann man wieder wochenlang auf das richtige Teil warten.
    P.S.: sach doch “Du”, ich bin zwar fast fuffzisch, aber im Web weiss det doch keener. Oooops….

  3. bernd sagt:

    Wir kennen uns nicht, aber ich habe deine Geschichten gelesen, mit Freude und Vorfreude auf den weiteren Verlauf deines Lebens. Vom geplanten Reisen zum neuen Anfang ganz weit fort. Jetzt sind über zwei Monate vergangen. Ist die Decke eingebaut worden? Was ist mit den Musikaufnahmen? Was machst Du den ganzen Tag? Gehst Du oft schwimmen. Ißt Du viel Fisch, wenn ja, wo kriegst Du den her? Gibt es Alkohol zu kaufen? Kochst Du selber? Ich hoffe, es geht Dir gut. Herzliche Grüße unbekannterweise, bernd

  4. Thomas sagt:

    Hallo Bernd,
    danke fuer den Besuch meiner Seite, ja ja, ich bin faul und lasse die Welt draussen raetseln, aber nun setze ich gleich meinen Text rein und beantworte dort hoffentlich auch ein paar Deiner Fragen. Ganz herzliche Gruesse, diesmal aus Bali

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