Seid gegrüsst Ihr da draussen. Leider nur eine kurze Meldung ohne Bilder, weil das Internet hier einfach höllisch langsam ist (anders als in Singapur) und vieles, wie Bilder hochladen ein Geduldsspiel ist.
Viel Zeit ist seit der letzten Eintragung vergangen. Das liegt zum einen am hiesigen Internet, das sich im Moment hier sehr rar macht und es liegt auch an mir. Ich bin faul. Ich hänge in meiner Hängematte ab, liege faul rum, mache nix, ausser mich um den Beginn meines Hausbaus zu kümmern. Aber selbst das wird mir von hilfreichen Geistern abgenommen und ich kann einfach auf der Baustelle sitzen und zusehen, wie das Wasserloch gegraben wird oder wie nach und nach die Materialien “herauf”gekarrt werden, mit Pferdekutsche und alles in Handarbeit selbstverständlich. Die Bauarbeiter hier arbeiten sehr schnell und wenn ich mal für ein paar Stunden eine Auszeit vom Zuschauen nehme, immerhin muss ich mich ja auch mal ausruhen, dann sieht man danach direkt Fortschritte. Vor allem, wie die Leute hier arbeiten, mit welchen Werkzeugen, ist für mich so spannend wie ein Krimi. Krimi? Richtig, da war doch sowas wie TV. Ich vermisse es nicht. Man kann sich zwar in ein, zwei Bars hinlegen und sich einen Film aussuchen, aber dazu hatte ich bisher noch keine Motivation. Zum Hinlegen ja schon, aber das Aussuchen macht doch viel Mühe, lieber aufs Meer schauen…
Zeit gibt es hier satt. Umso interessanter, dass die Tage hier sehr schnell vergehen. Ein paar Stunden nach dem Aufstehen, in meiner neuene Zeitrechnung nach zwei Mahlzeiten, ist schon wieder Sonnenuntergang und die Nacht kann kommen. Zeit scheint hier endlos, nach wie vor habe ich bisher nur die Jogger rennen sehen, ansonsten ist slow life angesagt, vollkommene Entschleunigung. Kann auch heissen, dass man eine Stunde auf das Essen wartet, weil das Huhn erst geschlachtet werden muss, dass man essen will, aber jede Minute lohnt sich, das Essen hier ist so frisch und gesund, wie es eben geht. Am liebsten esse ich bei einem kleinen Warung (Essensstand), der auch von sehr vielen Einheimischen dreimal am Tag besucht wird. Johanna, die Inhaberin, hat eine Küche in einem Haus platziert und hat von morgens 6 bis abends 9 geöffnet, manchmal auch länger, je nachdem. Reis mit Gemüse und ein wenig Huhn oder Fisch, sehr, sehr lecker, oder gebratene Nudeln oder Gado-Gado, Reis mit hiesigem Spinatgemüse mit Erdnusssosse auf Krupuk. Egal, was man hier bestellt, es kostet 5000 Rupien, Dose Cola ebenso. 5000 Rupien - das sind gerade mal…na…. etwa 35 Cent. Essen mit Cola für 70 Cent. Ich will gar nicht darüber nachdenken, was das in Deutschland kosten würde.
Mein Hobby Tauchen gerät etwas ins Hintertreffen. Das liegt wohl daran, dass die Boote morgens um halb neun rausfahren, was eindeutig zu früh ist. Die zweite Tour gegen 11 könnte ich schaffen, aber irgendwie kommt immer was dazwischen. Das liegt vielleicht auch daran, dass nicht alle Tauchgründe hier wirklich toll sind. Einige Stellen sind ziemlich ramponiert von El Nino, dem Klimawechsel, der hier starke Auswirkungen auf die Korallenwelt und damit auch auf die Fischwelt hat. Schade, aber es gibt gute Ansätze, die Korallen wieder herzustellen, sogenannte Biorocks, die mit leichtem Strom zum Wachsen angeregt werden. Dauert immer noch sehr lange, aber immerhin, den Leuten ist die Gefahr präsent. Keine Korallen bedeutet nämlich auch kein Riff und das hat enorme Auswirkungen auf die Insel, die mit jedem Sturm viel Landmasse verliert. Das Geld, das von offizieller Seite zum Erhalt der Küste gegeben wurde, ist für einen Wegebau im Inselinneren ausgegeben worden, alles andere als klug. Auf meinem kleinen Hügel werde ich dann vielleicht irgendwann viele Gäste haben, wenn die Insel zu klein geworden ist. Ich werde irgendwie vorsorgen müssen :)
Deutschland ist weit weg. Es gibt Tage, an denen ich ziemlich heftiges Heimweh habe, ich vermisse natürlich manchmal meine Freunde. Ist nicht einfach, alle Zelte abzubrechen, ständig muss ich gegen alte Muster ankämpfen, Sicherheit und Vorsorge, Krankenversicherung und die “Man muss doch irgendwas tun”-Mentalität. 49 Jahre Deutschland können ganz schön prägend sein. Und die Leichtigkeit, mit der ich hier leben kann, ist neu und ungewohnt. Wenn es mir nicht gut geht, wandere ich über die Insel. Immer wieder finde ich neue Wege, neue Ansichten und überall grüssen die Menschen. Viele kennen meinen Namen, immerhin bin ich als hochgewachsener, (fast) weisshaariger, weisshäutiger Mann eine ziemlich bunter Hund und die Kinder haben grossen Spass daran, meinen Namen zu rufen und freuen sich diebisch, wenn ich zurückrufe. Wobei ich die Namen regelmässig vollkommen durcheinander werfe. Klar, ich muss 500 Namen lernen, die aber nur einen. Es macht Spass und danach fühle ich mich wieder richtig wohl und freue mich, hier zu sein. In Singapore, wo ich zwischenzeitlich mal wieder war, habe ich mir einen Akustikbass gekauft und spiele nun mit ein paar richtig guten Musikern hier freitagabends in einer Bar. Die 500 Lieder Repertoire muss ich zwar noch lernen (und alle Akkorde rausschreiben…), aber die Songs, die ich kenne, kann ich locker mitspielen.
Es tut sich viel, im Land ohne Socken. Wo auch immer ihr da draussen seid, seid gegrüsst. Bis bald.
5. Juli 2009 um 13:16
Ja sei auch gegrüßt mein Lieber Thomas. Man da freue ich mich aber riesig das du ein Fleckchen gefunden hast. Schick doch mal die Koordinaten oder ein Link von Google earth damit man dich von oben Sieht ;-) Und du lässt dir echt ein Haus bauen hehehe ist ja super. willst du jetzt deine Wurzeln da eingraben? musst du viel Bürokratie machen? gibt es da auf der Insel etwas wie einen Ältesten Rat oder so? da freue ich mich aber, dass du im Herbst mal in Kölle bist.
So sende dir liebe Grüße aus der Goldstadt Pforzheim dein Samuel
5. Juli 2009 um 18:05
Hi Thomas,
schön mal wieder was von Dir zu lesen.
Ja, es gibt auf dieser Welt weit schönere Fleckchen als Deutschland. Ich frage mich auch oft warum so viele Menschen an dieser scheinbaren Sicherheit hängen.
Ich wünsche Dir noch viel Spaß beim Hausbau und bleib trotzdem flexibel.
Sonnige Grüße aus Frankreich
Marta
6. Juli 2009 um 10:04
Hallo Thomas,
gestern haben wir mit Freunden über unseren wunderschönen Urlaub im März gesprochen und mir viel auf, das ich schon lange nicht mehr auf Deiner Seite nachgelesen hatte.
Ich bin ja platt! Das freut mich für Dich, das Du jetzt unter die Häuslebauer gegangen bist und Dich pudelwohl fühlst.
Wolltest Du nicht im August zusammen mit Deinem Sohn nach Australien?
Na ja, wie auch immer….mehr Bilder wären schon toll.
Solltest Du im Dezember auch Zeit für einen Ausflug nach Düsseldorf haben, so melde Dich ruhig bei uns!!!!
Alles erdenklich Liebe und Gute von
Detlef und Gaby