Kurzer Rückblick eines Müden Gili Wallpaper
Mai 31

es ist wahr, ich habe abgebrochen, ich reise nicht mehr weiter. Ich habe meine Entscheidung gut überlegt, hab mir Zeit gelassen und nun weiss ich, dass ich weniger reisen und vielmehr rasten soll. Um die Katze aus dem Sack zu lassen, ich steige aus meinem bisherigen Leben voll aus. Ich bleibe einfach hier. Ich habe einen Platz gefunden, von dem ich nicht mehr weg will, der mich fasziniert und an dem ich willkommen bin.

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Ich war, wie so viele Touristen, ziemlich übel gelaunt, als ich meine ersten Schritte auf das Eiland setzte. Schlecht geschlafen, viel Geld ausgegeben, Boot verpasst, Hitze und noch kein Hotel in Sicht. Miese Stimmung, zumal mir meine kleinen Blessuren auch zugesetzt haben, siehe Eintrag vorher. Kam aber dann alles ganz anders, als erwartet. Nachdem ich ein Hotel gefunden hatte, das zu mir passt, konnte ich anfangen, diesen wundervollen Fleck zu geniessen. Und es  entwickelte sich innerhalb der nächsten Tage zu einem Feuerwerk der Ruhe, wenn es sowas überhaupt geben kann.
Es ist sehr ruhig hier, auf Gili Air, östlich von Bali, sehr nahe an Lombok. Genauer gesagt gehören die Gili Islands zu Lombok. Es ist so ruhig, dass man nachts nichts hört, ausser Grillenzirpen und Wellen. Es gibt hier keine Mopeds oder Autos, keine Industrie, keinen Smog, nur klare Luft, glasklares Wasser, fantastisches Essen, etwa 1500 Leute, die zum Teil in einem traditionellen Dorf wohnen und jede Menge Möglichkeiten, sich die Zeit zu vertreiben. Es gibt ruhige Strände, viele Strandbars mit leiser Musik, alle gehen gemächlich und sehr friedvoll miteinander um. Es gibt zwei, drei Monate mit viel Tourismus und danach ebbt das dann wieder ab und die Insel gehört wieder den Einheimischen. Ich habe mir eine Weile angeschaut, wie die Leute hier leben, habe geschaut, wie ich hier reinpasse und ob ich den Schritt einfach wagen soll. Ich kann mir hier ein Stück Land kaufen, ein kleines Haus bauen und leben, wie ich das möchte. Nicht mehr in irgendeine Firma fahren, nur noch das tun, was ich will und vielleicht später damit sogar etwas Geld verdienen. Ich habe für mich den Platz gefunden, für die nächsten Jahre auf jeden Fall.
Die Insel ist ein spiritueller Ort, voller kreativer Ideen und mit guten Menschen, die den Islam so leben, wie ich mir das nie vorstellen konnte. Alle sind sehr, sehr freundlich und ich bin eingeladen worden, mit ihnen gemeinsam auf der Insel zu leben. Das meistgebräuchlichste Wort hier ist “Enjoy”, Vergnüge Dich. Dabei ist das alles andere als eine Faulenzerinsel, Häuser werden hier im Zwei-Monatsrhythmus hoch gezogen, schöne Häuser, aus Holz oder Stein. Es gibt nicht viel Reichtum hier, aber dafür Kommunikation ohne Ende und immer was zu erzählen. Ich schaffe es kaum, ohne Stop bis zum kleinen Hafen durch die sandigen Wege zu radeln, überall winken Leute, es wird kurz angehalten, Cafe-Lombok oder Cola getrunken und dann weiter bis zum nächsten Shed, wo man wieder eine Weile sitzt, aufs Meer schaut, die hohen Wellen mit den Wellenreitern beobachtet oder man plant mit anderen eine kleine Bootsfahrt für den nächsten Tag zu einer der Nachbarinseln. Slow Life, wie man hier sagt, richtig entschleunigtes Leben, überraschend einfach kann das sein, wenn man sich drauf einlässt.
Während ich das schreibe, sitze ich auf einer Veranda in einem wunderschönen Garten. Hinten höre ich ein paar Leute, es gibt viele Vögel, viele Tiere, ein leichter Wind geht und im Hintergrund plätschert das Meer. Die Entscheidung ist richtig, hier zu bleiben und dieses süsse Leben zu geniessen. Natürlich vermisse ich meine Stadt, meine Leute, aber für mich stellt sich die Frage, was ich denn in Deutschland (oder England, was mein anderer Favorit ist) machen will, wenn ich zurück bin, was ich dort finden kann. Ich kann mein ganzes Geld in ein kleines Restaurant investieren und dort kochen oder ich investiere es hier zum Teil und den anderen Teil verlebe ich nach und nach. Und wenn ich mich irgendwann entscheide zu gehen, kann ich alles sehr gut verkaufen. Ich verliere nichts, ich kann nur gewinnen. Ich betrachte mein Leben, das nun, nach dem Tod meiner Frau komplett offen ist und ich frei bin, alles zu tun. Hier habe ich auf Anhieb Kontakt gefunden, ich fühle mich wohl und ich kann meine Spiritualität so leben, wie ich möchte. Ich finde immer wieder Menschen, die genauso denken und fühlen und für die das Leben aus guten Momenten besteht, aus Lerneinheiten, die Spass machen.
Vielleicht möchtet ihr mich hier besuchen kommen, kommt, schaut es Euch an. Es ist preiswert, es ist wunderschön. Und wenn mein Haus steht, schauen wir gemeinsam vom leichten Hang hinunter auf die Moschee, das Meer oder auf den Sonnenuntergang, der hier jeden Tag genial ist. Ich werde hin und wieder etwas über den Fortgang auf meiner Baustelle berichten, ich denke, etwa im Juni fangen die Arbeiten an, soweit denn alles klappt. Das weiss man ja nie…
Lasst es Euch gut gehen, und für meine Freunde bin ich am Ende des Jahres wieder in Köln anzutreffen, für einen guten Monat werde ich dann dort bleiben. Ich grüsse Euch aus Weitweg, Thomas

P.S. Die Fotos mit den Autos und Mopeds sind auf Lombok aufgenommen, nicht auf Gili Air.

9 Antworten zu “Weltreise abgebrochen…”

  1. Steffi sagt:

    Hallo :]

    Ja, das sieht nach einem kleinen Paradies aus! Als Willem mir davon erzählt hatte, hatte ich keine Vorstellung WIE schön die Insel ist.

    Ich freue mich, dass es dir nun auch besser geht und hoffe, dass die Zeit dort Erholung und Ruhe bringt. Man findet vllt nach Wochen des Umherstreifens endlich Rast.

    Ich bin gespannt, was Willem sagt, wenn er wiederkommt.
    Und natürlich auf die Fotos :]
    Ich werde jeden Tag gucken, was es neues gibt.
    Hab ja eh frei und nichts zu tun bis zum 1.9…..ich bin gespannt!

    Lass es dir weiter gut gehen!
    Liebe Grüße Steffi

  2. Holger sagt:

    Hallo Thomas,

    seit Monaten schaue ich in kurzen, regelmäßigen Abständen in Deine Berichte und lese sie mit Begeisterung. Auf der einen Seite finde ich es sehr schade, das Du Deine Reise abbrichst,und ich nicht mehr einen Blick in die Welt jenseits von Job, Stress und den Täglichen Alltag aus der Pespektive eines unabhängigen bekomme. Andererseits kann ich Deine Entscheidung durchaus verstehen.
    Ich war vor 10 Jahren auf Bali, und was mir ganz besonders in Erinnerung geblieben ist waren die Menschen. Ich habe Männer auf Reisfeldern schwer arbeiten sehen, die eine Zufriedenheit im Gesicht hatten, die ich so sonst noch niergendwo gesehen habe. Trotz schwerer Arbeit, vermutlich kein Wohlstand, eine mir unbekannte Zufriedenheit. Ich kann verstehen das man sich da wohlfühlen kann… ich freue mich für Dich das Du ein Ziel gefunden hast und hoffe das uns trotzdem ein wenig auf dem laufenden hälst.
    Gruß Holger

  3. Rosenkranz Gaby sagt:

    Wir freuen uns das Du deinen Weg gefunden hast und zu Ruhe kommst.Auch wenn es am anderen Ende der Welt ist.Dank der Technik können wir ja immer Kommunizieren und werden von dir auf dem laufenden gehalten.
    Wir haben Dich sehr sehr lieb und wünschen Dir alles gute.
    Gaby & Roland

  4. Marta sagt:

    Hi Thomas,
    Du bist doch nicht etwa reif für die Insel? Bedenke dass da überall Wasser drum herum ist.
    Nein, nein das glaube ich Dir nicht.

    Sonnige Grüße
    Marta

  5. Thomas sagt:

    Liebe Marta, lieber Holger,
    doch, es ist wahr, ich bleibe hier. Auch, wenn ich mich derzeit wieder in Singapore aufhalte um mein Visum zu bekommen, werde ich in ein paar Tagen wieder zurueckfliegen und dann an meinem Haus planen. Das Land habe ich inzwischen gekauft und alles scheint zu klappen. Kaum zu glauben.
    Es ist auch fuer mich nach wie vor komisch, einfach so auszusteigen, das könnt ihr mir glauben. Mehr aber im Blog in ein paar Tagen. Dranbleiben….

  6. Martin sagt:

    Hi Thomas,

    hört sich ein bischen verrückt an mit Land gekauft und Haus planen, deswegen kann es nur richtig sein.

    Falls du eine Firma aufmachst und einen schlechten Betriebsrat brauchst, rufe einfach an, ich komme!

    Gruss MArtin

  7. Thomas sagt:

    Hallo Martin,
    richtig, ist auch ver-rueckt. Ich werde zwar auch Angestellte haben, aber irgendwie brauchen die hier keinen Betriebsrat… aber ich lade Dich herzlich ein, Dir den ganzen Kladderadatsch mal anzuschauen, vielleicht willst Du ja auch noch ein Haus bauen, Platz haette ich - noch. Gruss, Thomas

  8. Stefan (Dein alter Nippeser Nachbar) sagt:

    servus alter nachbar
    schön das es dir gut geht.ein freund von mir hat dann jetzigen aufenthalts ort diverse mal besucht.er kam auch nie aus dem schwärmen raus.und wie der zufall es so will planen wir für nächstes jahr einen indonesien trip.gili island eingeschlossen.also sag das mit dem besuchen nicht zulaut sonst hast du nächstes jahr eine kölner delegation vor der tür stehen.
    geniess das slowlife
    bis bald
    stefan

  9. Thomas sagt:

    Hallo Stefan,
    ich hab da kene Panik, wenn plötzlich Leute vor der Tür stehen. Nur im Sommer, wie jetzt, sind alle Hotels belegt, da kann ich Euch dann nur einen Platz draussen unter der Bruga anbieten :) Aber da schlafe ich auch oft, weil das sonst ziemlich warm werden kann.
    Also keine Panik, immer her mit Euch!

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