Singapur Weltreise abgebrochen…
Mai 13

Die drei Monate, die ich nun unterwegs bin, machen sich bemerkbar. Ich bin müde, habe zwischendurch immer wieder Durchfall und seit gestern ist mal wieder eine Erkältung da. Mein linkes Knie (Muskel-/Sehnenverletzung) und Bein (Ischiasnerv) schmerzen.

Ich hab Heimweh.
Gehört ja auch alles zu so einer Reise, aber ich merke, dass ich keine 25 Jahre mehr bin. Im Gegenteil, es sind 25 Jahre seit meiner ersten grösseren Reise nach Indien vergangen und meine Vorstellung, wie ich diese Reise gestalten wollte, sind meilenweit von der Wirklichkeit entfernt. Was mir früher selbstverständlich erschien, in Schlafsäälen schlafen, trampen, billige, übervolle Züge nehmen, stundenlange Busfahrten - das bringe ich nicht mehr. Meine Vorstellungen haben sich verändert, meine Ansprüche sind hoch, viel höher, als damals, als ich eben noch keine Kohle hatte und auch schon mal stuundenlang an der Strasse ohne Wasser auf ein Auto gewartet habe, das mich endlich aus diesem gottverlassenen Nest heraus holt… Alles weg, alles lange her. Ein Teil meiner Reise ist es auch zu erkennen, dass ich mich selber verändert habe und meine Jugend Jugend war und diese nun vorbei ist. Sagt ein Mann von fast 50 Jahren.  Das Desiderata, seit eben 25 Jahren ein weiser Ratgeber für mich, sagt dazu “Gib die Dinge der Jugend mit Grazie auf”, ein schöner Satz. Hab ich verstanden.

Wie geht es weiter, was macht ein Kerl, der sein altes Leben ziemlich radikal abgeschnitten hat, wenn er zu Ende gereist ist? Wie lange dauert die Reise und wo will ich noch hin? Ich will endlich ankommen und mich niederlassen, ich will mit meinem Hund am Strand laufen, hinter den Dünen leben und eine neue Partnerin finden. Und was mache ich? Ich reise herum.
Ich bin müde und tierisch unausgeschlafen.  Ja ja, gehört alles dazu. Willkommen in der Wirklichkeit.

9 Antworten zu “Kurzer Rückblick eines Müden”

  1. Marta sagt:

    Hi Thomas,

    das hört sich nach einem Reisekoller, der tritt ein wenn Du zu schnell reist. Dein Gehirn kann die vielen neuen Eindrücke nicht so schnell verarbeiten. Durch die Klimaveränderung sind Deine Abwehrkräfte in Mitleidenschaft gezogen.
    Vielleicht bleibst Du einige Wochen an einem netten Plätzchen und erholst Dich wieder.
    Es wäre schade, wenn Du abbrichst. Das sage ich nicht ganz uneigennützig, ich lese Deine Berichte zu gerne.

    Sonnige Grüße
    Marta

  2. Monika Scholl sagt:

    Hi Thomas

    Tja, auch das gehört zum Reisen…………mach ne grössere Pause und erhol dich. Bin überzeugt, dass du nach einigen Tagen wieder den Antrieb hast weiteres zu entdecken und darüber zu schreiben! Deine Berichte “nehmen” mich nämlich auf deine Route mit und ich möchte das nicht missen.

    Also, Kopf hoch und und freu dich auf Neues (nämlich gediegenes Reisen im Alter ;-)).

    Gruss

    PS. Eröffnung des Geschäfts erfolgt jetzt dann bald offiziell d.h. ich sehe Chis in letzter Zeit weniger. Aber es scheint ihm grossen Spass zu machen und das ist ja das Wichtigste.

  3. Ulli sagt:

    ..na und wie geht’s bei Desiderata weiter? ..”Bei einem heilsamen Maß an Selbstdisziplin sei gut zu dir selbst” - also mach mal Pause.

    Liebe Grüße aus Pulheim - bin wieder zu Hause…. alles wird gut.

  4. Thomas sagt:

    Hallo Uli, wie schön von dir zu hören und besonders, dass Du mir das Desiderata mal ganz flott aus der Hüfte um die Ohren schwingst. So kenn ich Dich. Vielen Dank, liebe Grüße, Thomas

  5. Thomas sagt:

    Hallo Marta und Monika, danke für Eure lieben Worte, ich brech ja nix ab, ich wollte Euch nur nicht in dem Irrglauben lassen, dass ich immer mit einem Grinsen durch die Gegend ziehe. Ist manchmal eben auch etwas wolkenverhangen. Aber nun bin ich auf Bali, das ist wohl genau die richtiige Entscheidung gewesen, Wasser, Wellen und viel Ruhe. Liebe Grüße, Thomas

  6. Bernd sagt:

    Durchhalten - Weltreise muss mehr sein als Pazifik. Kopf Hoch, Ausruhen und langsam durchstarten. Heimweh ist kein schlechtes Ding - dann weißt du noch, dass es da ein Zentrum gibt um das du weiter kreisen kannst, aber Kreise sind halt manchmal lang und man kann recht schwer beschreiben wo man sich gerade darauf befindet.
    Zu guter letzt: auch wenn deine “alte Welt” weit weg erscheint, auch hier gibt’s die Sehnsucht nach der “guten Zeit” wann immer das auch war oder sein wird, je nach Perspektive.

  7. Thomas sagt:

    Hi Bernd, schön zu lesen, dass Du noch unter der alten Adresse zu erreichen bist. Du hälst ja offenbar durch, im Gegensatz zu anderen… Ich habe Stonehenge schon nach Schottland verfrachtet, aber dass Du Thailand und Laos in den Pazifik schickst, macht mich nachdenklich. Im Ernst, Ende Juli habe ich einen Termin in Australien, den werde ich einhalten. Danach werde ich sehen. Ich “muss” ja nix, das is das Schöne daran, ich “kann”.

  8. Alfred sagt:

    Hey Thomas,

    grüß mir die Känguruhs. Bin gespannt, wo man dich dort auftreiben kann.
    Im übrigen “Willkommen in der Realität”? Nein, ist doch wohl nur ein Teil der Realität, der schönere Rest überwiegt doch bisher, oder?

  9. Thomas sagt:

    Hallo Alfred, mit Dir habe ich ja gar nicht gerechnet, wie nett. Also in Aussieland bin ich zunächst im Norden, in Darwin, weil ich da lande. Die Fahrt quer durch spare ich mir aber, obwohl ich das eigentlich wollte. Ich hatte ja keine Vorstellung, wie weit das wirklich ist…
    Mit meinem kleinen Rückblick habe ich ja doch einige Reaktionen ausgelöst. Natürlich überwiegen die schönen Momente, aber es wäre unehrlich, immer nur die Highlights zu präsentieren, es gibt auch ziemlich tiefe Löcher. Gerade auch, wenn man allein unterwegs ist. Bali bringt mir aber etwas Entspannung, wenn gleich auch hier nicht alles Sonnenschein ist, dazu aber mehr im neuen Bericht, den ich vorbereite. Liebe Grüße, Thomas

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