Palau mi’m Booooot - Rock Islands Kurzer Rückblick eines Müden
Mai 13

Eigentlich wollte ich diese Stadt ja auslassen. Zu gross, zu viele Menschen, zu teuer. Eigentlich, aber dann musste ich sowieso eine Nacht hier verbringen und wenn die Gelegenheit so greifbar ist, dann sollte ich mir das Programm voll gönnen. Hat sich gelohnt, ich habe eine Menge gelernt in den paar Tagen.

Verspielte Chinesen beim Nachmittagsplausch

Verspielte Chinesen beim Nachmittagsplausch in Chinatown, Singapur

Singapur ist sauber, das fällt zunächst mal jedem Besucher und damit auch mir sofort auf. Man sieht wenig Dreck dafür viele Mülleimer, die oft geleert werden. Singapur ist riesig, ich konnte einen guten Eindruck bekommen, als ich das weltgrösste Riesenrad besucht habe, gut 165 Meter hoch und an guten Tagen kann man echt weit gucken. Irgendeiner hat was von “bis nach Indonesien” gebrabbelt, aber das konnt ich dann doch nicht sehen. Egal, genialer Ausblick allemal. Der Hafen unten ist voller, teils riesiger Schiffe, schon beim Anflug war ich baff, soviel Verkehr, alles durcheinander - so scheint es. Aber natürlich ist in Singapur alles geordnet, geleitet, geführt und penibel organisiert. Alles ist schnell, sogar die Rolltreppen in der U-Bahn sind richtig schnell, was angesichts der Massen, die transportiert werden müssen, auch nachvollziehbar ist.
Ein Vielvölkergemisch, das sich in einer brodelnden Stadt wohl fühlt, wo es drei Hauptgruppen zu geben scheint: die, die kaufen, die, die verkaufen und Bauarbeiter. Womit vieles schon erzählt ist. Hier habe ich wirklich den Begriff “Konsumtempel” richtig kennen gellernt. Geleckte Mega-Bauten, deren Erbauer den Begriff “Zurückhaltung” aus ihrem Wortschatz gestrichen haben, silber glänzende Protztempel, mit allen Marken, die diese Welt in Luxus zu bieten hat, Luis Vuitton, Hilton, TagHeuer, Chanel,.. ach egal welche Marke  auch immer, alles ist da. Tausendfach. Die Menschen streifen durch die Häuser, schauen sich diese immensen Mengen an immergleichen Waren an, kaufen, gehen weiter, kaufen, gehen weiter. Was ich in Bangkok an Geschäften gesehen habe ich im Vergleich hierzu Kleinkram. So ist das, wenn der kleine Provinzler in die grosse, weite Welt fährt, sage ich zu mir.

Singapur ist aber auch anders. Hier leben alle Farben der Erde nebeneinander, alle Religionen sind vertreten und haben teilweise ihre Gottesthäuser nebeneinander oder zumindest doch in Rufferne. Der Meuzzin hört den trommelnden Hindu und der die singenden Katholiken. Gelebte, wundervolle Vielfalt. In Köln regen sich die Menschen über den Bau einer Moschee auf, hier scheint das überhaupt kein Thema zu sein. Seit Immer nimmt die Stadt alle Völker auf, erst recht seit dem Ende des 19.Jh., als sie zur freien Handelszone erklärt wurde. Alles trifft sich und dennoch haben die grossen Gruppen auch ihre eigenen Viertel. Chinatown, Little India oder Little Arab sind Kleinode und keine Ghettos, voller authentischer Geschäfte und authentischer Menschen. Die wenigen übrigens, die mir als authentisch aufgefallen sind, denn in Singapur konnte ich zwar mit Menschen reden, die aus Singapur kommen, aber nicht hier (also in der Stadt) wohnen, sondern in den Randgebieten. Längst ist die City in der Hand der Industrie, der Bauindustrie sowieso, aber eben auch genannter Luxusindustrie. Nicht zu vergessen sind die vielen Fresshütten, die auch bei uns zur Genüge bekannt sind und deren “Essen” genauso industriell und gestylt ist, wie überall. In Chinatown und Little India habe ich dagegen so wunderbares Essen bekommen, dass ich mich trotz Bedenken wegen meines Darms (mal wieder!) ziemlich durch die  Karten gefressen habe. Ausgezeichnet und sehr, sehr preiswert. Wer will, kann hier in Singapur durchaus habwegs preiswert Urlaub machen, besonders in Little India gibt es bezahlbare Gasthäuser, die zwar wegen der Empfehlungen im Lonely Plant mitunter überlaufen und damit auch laut sind, aber wen das nicht stört, kann sich sehr wohl fühlen.

Auch in Kunst und Kultur ist Singapur weit vorn. Ich tu mich zwar immer etwas schwer, wenn ich Asiaten Bach spielen höre oder westliche Opern aufführen sehe, aber die Qualität der Aufführungen ist sehr gut und der Anspruch natürlich sehr hoch. Museen gibt es einige, ich habe zwar nur das Singapur Art Museum besucht, aber es soll noch etliche geben, die richtig was zu bieten haben.

In Singapur läuft alles wie geschmiert. Die Organisation der Metro z.B. ist genial gelöst, es gibt z.B. keine Papiertickets, nur wiederverwendbare E-Tickets. Der Autoverkehr ist heftig, aber die Belastungen durch Abgase waren nicht ansatzweise so hoch, wie in anderen grossen Städten. Die Gegensätze von alten Häusern zu neuen Hochhäusern sind manchmal unerwartet krass, aber interessant. Das Nebeneinander so vieler Menschen braucht viel Toleranz und da es für meinen Geschmack nicht wirklich viel Grün gibt, werden die Menschen auch für alle Freizeitaktivitäten in grosse Tempel gelenkt, Shopping ist nur ein Vergnügen, da gibt es noch andere. Aber die Stadtverwaltung nimmt auch den Wandel wahr, der mit einer so jungen und viralen Gesellschaft zwangsläufig kommt. Es hängen viele Plakate aus, dass sich die jungen Leute auf die Werte der alten Generation berufen und sie die Alten beachten und deren Werte ehren sollen.  Leben würde ich hier nicht wollen, dazu fehlt mir das Eigene der Stadt. Bei aller Neuheit geht die Tradition flöten.  Dennoch, die Tage hier sind gut gewesen.

Übrigens, im September stellt der Kölner Künstler Rolf Jahn www.rolfjahn.de hier aus, ist sicher ein guter Grund, her zu kommen.  Viel Spass dabei!

2 Antworten zu “Singapur”

  1. Andrea sagt:

    Hallo Thomas,
    ich habe, nach längerer Zeit, wieder zu Deinem Blog gefunden und finde wirklich spannend und amüsant, was Du über Deinen bisherigen Trip alles zu erzählen hast. Mir gefällt Dein Schreibstil. Er liest sich gut, flüssig und steckt voller Leben. Gerade Deine Berichte über Bangkok, haben mir wieder ein Stück Erinnerung zurückgegeben. Ich konnte mich wieder an den tollen Mief erinnern! Es roch, nach jedem heftigen Platzregen, nach verschmorten Kabel. Einfach herrlich. :-)

    Mach weiter so. Wir schauen immer wieder mal bei Dir rein.

    Alles Gute und alles Liebe aus dem schönen Grossbüllesheim.

    Andrea & Pascale

  2. Thomas sagt:

    Hallo Andrea,
    wie schoen, von Dir zu hoeren! Ich hoffe, es geht gut bei Euch insbesondere, was die Gesundheit angeht.
    Danke auch fuer das Lob meines Schreibstils, ich schreibe immer frisch heraus, keine grossen Gedanken, einfach los, schoen, wenn es anderen gefaellt. Im Moment fehlt mir aber die Frische, weil ich viel organisiere und ich mir auch viel Gedanken gemacht habe. Immerhin mache ich ja wirklich einen ziemlich weiten Schritt nach vorn. Ich hoffe, dass es einer nach vorn ist… :) Aber in Kuerze werden ein paar neue Gedanken zur Zeit kommen. Mein kleines Paradies macht mich sehr kreativ, ich spruehe im Moment ueber und schlafe kaum, weil alles so aufregend ist.
    Liebe Gruesse an Deine Suesse,
    Thomas (demesganzwarmistweilestrotznachtschlafenderzeitimmernoch26gradsind)

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