Tschüss Thailand und Laos Palau mi’m Booooot - Rock Islands
Mai 09

Wenn ich nicht genau wüsste, dass der schönste Platz dieser Erde mit meiner Nase vergraben im Schoss einer schönen Frau ist, ich würde sagen, er ist hier in Palau. Warm und feucht ist es hier allemal, wunderbar geformt ebenfalls und für Entspannung ist auf jeden Fall gesorgt. Hmmm….soviel zu den Metaphern.

Na endlich, Krokodile in Sicht!

Na endlich, Krokodile in Sicht!


Palau ist die westlichste Insel in Mikronesien und hat eine sehr rauhe und leidvolle Geschichte hinter sich. Erst kamen die Spanier, dann die Deutschen und schliesslich die Japaner bis zum Ende des zweiten Weltkrieg. Nun ist Palau mit den USA assoziiert, ist zwar ein eigenständiger Staat, aber in vollem Umfang von den USA abhängig. Leidvoll sind nicht nur die Besetzungen gewesen (hier sei der harte Krieg im Pazifik zwischen den Japanern und den USA 1944/45 extra erwähnt), auch die eigenen Stämme haben lange und viel gekämpft. Rauhe Sitten.
Angekommen bin ich hier, nachdem ich über Guam einen Umweg fliegen musste. Ich hatte zum ersten Mal meinen Flieger verpasst (super gemacht, Philipin Airlines!) und durfte, nachdem ich $240 nachzahlen durfte, also doch noch aus Manila weg. Glück gehabt. Besser so, als dort versacken. Die bezahlbaren Hotels auf Palau beginnen ab 45 US-Dollar (ist die offizielle Währung), dafür bekommt man nichts Besonderes, aber es ist ok. Aaaah, wo ich schon beim Geld bin, die Preise hier sind so exorbitant hoch, dass ich meinen als drei Wochen geplanten Trip auf etwa die Hälfte abkürze. Ich wurde dann doch etwas blass, als ich im indischen Restaurant am ersten Abend mal ganz locker $40 bezahlt habe, Pizzen sind unter $12 nicht zu bekommen. Ein Burger der Extra-Klasse macht eine kleine, sehr beliebte Bude aber auch schon für $4. Sehr lecker, übrigens und riesig gross. Ein Tauchausflug mit zwei Tauchgängen bekommt man zur Zeit (Mai 2009) für $100 (Sam´s Tours, super guter Laden!), aber nur nach Verhandlungen, weil die Touristen ausbleiben, ansonsten sind es $140-150 (Ausrüstungsmiete nicht inklusive). Mannomann… dennoch: jeder Cent ist es wert. Nicht nur, dass die Natur so berauschend schön ist, auch die Tauchspots sind die besten der Welt (was ich vorher nicht wusste). Blue Corner, Blue Hole, Ulong Channel und natürlich der angrenzende Jellyfisch-Lake (Quallensee) sind einigen Tauchern sicher bekannt.Hätte ich bei meinem ersten Ausflug nach unten in 30 Metern nicht mein Mundstück unbedingt gebraucht, ich wäre die ganze Zeit mit offenem Mund unterwegs gewesen - was für eine unglaubliche Welt da unten! Haie, gross und klein, Schildkröten, Muränen, die allerexotischsten Farben, Annemonen und Korallen - ich konnte es kaum fassen. Aber das war ja noch gar nichts. Der eigentliche Hammer war die Rückfahrt. Palau besteht aus einer grossen und vielen kleinen Inseln. Das Besondere ist, dass die kleinen Inseln wie Pilzköpfe aussehen, voll bewachsen mit Bäumen und kurz über der Wasserkante ist der Felsen abgeschnitten. Dadurch bekommt man den Eindruck, als würden die Felsen schweben. Auf der Rückfahrt fuhr unser Bootsguide dann eine Strecke durch die ganzen kleinen Inseln hindurch, unser kleines, schnelles Boot flitze über das Wasser in unglaublich schöne Buchten, schöner als alles, was ich jemals gesehen habe. Die Vielfalt, die die Natur hervorbringt ist jedesmal wieder wie ein Rausch für mich und war es diesmal für alle anderen ebenfalls. Die “Ah”´s und “Oh”´s sind ja international gebräuchlich und bei jeder neuen Kurve haben wir uns alle angeschaut und von einem Ohr zum anderen gegrinst. Ich finde es schon seltsam, dass sich dort, wo die Natur ungestört vor sich hin brüten kann, solche menschliche Gewalten toben können.

Quallen überall im Jelyfish-Lake

Quallen überall im Jelyfish-Lake

Robinson ist so rund wie hoch und ist der Taxifahrer, der mich vom Flughafen zum Hotel bringt. Kurz abgecheckt, was ich so machen will und ratzfatz habe ich einen Guide, der mich für eine Handvoll Dollar über die Insel kutschiert und mir von der wechselhaften Geschichte viel, viel erzählt. Robinson ist nicht nur Taxifahrer, er ist auch Lehrer für Wirtschaft an der High School, hat einen Schrottplatz, zwei Häuser (in einem hat er die Schwiegermutter untergebracht…), vier Töchter, zwei Autos und die Tüte mit seinen Betelnüssen immer griffbereit. Nuss teilen, Korallenstaub draufgepudert, zwei halbe Zigaretten (mit Papier) reingelegt, das ganze Paket mit einem scharfschmeckenden grünen Blatt ummantelt und ab in die Backe, schön einschleimen und dann spucken, spucken, spucken. Ob ich auch mal…?, werde ich gefragt. Nee, danke, ich bin im Ausland drogenfrei. Der Gedanke an die Kippe im Mund macht mir keine Lust auf solche Experimente. Robinson kennt hier jeden und lacht den ganzen Tag. Kommt sicher auch von den Nüssen, sind ja stimulierend (wie er sagt, in Deutschland nennt man das Droge). Der Wagen wird an der Tanke erstmal fit gemacht, “Oben im Norden” wie er sagt, gibt es nämlich keine Tankstelle. Hört sich an, als wenn es ziemlich weit ab vom Schuss ist.

Robinson

Robinson

Und in der Tat ist der nördliche Teil sehr, sehr ruhig, kaum was los, kaum Einwohner, dafür steht dort aber das dem amerikanischen Kapitol nachempfundene Regierungsgebäude. Wir fahren langsam, haben Zeit, alle fahren langsam und Robinson erzählt mir zwischen zwei Betelnüssen allerhand Geschichten des Landes und zeigt mir Ecken, die nicht im offiziellen Guide stehen. Die Clans waren früher stark verfeindet und immer wieder gab es Kriege untereinander. Meist wegen Frauen, wie sollte es auch sonst sein. Die Stammeschefs treffen sich bis heute zu besonderen Anlässen in einem “Manhouse” (sonst in einem Hotel mit Klimaanlage und kühlem Bierchen), einem Versammlungshaus mit Aussenanlage, wo früher unter anderem die würdigsten Gefangenen, die grossen Krieger, geköpft wurden. Die Krieger im Knien, die gefangenen Stammeschefs im Stehen. über dem Eingang zum Haus ist ein Symbol der Fledermaus (die hier übrigens tagsüber herumfliegen, sehr interessant zu sehen). Da die Fledermaus auch mit dem Kopf nach unten schläft (lebt), ist sie das Symbol für den Eingang, weil man mit dem geneigten Kopf zuerst das Haus betreten muss. Sehr sinnnig. Die kleinen Löcher im Holzboden (siehe Fotos) sind übrigens für die kleinen Geschäfte der Männer, die während der Verhandlungen nicht den Raum verlassen durften. Etwa im 14 jh. bauten sich einige Stammeschefs ihre Siedlungen auf Terassen. Der Chef ganz oben, dann die Krieger und ihre Familien und die Versorgungsabteilungen, also Bauern und Markt. So konnte sehr früh beobachtet werden, wenn Feinde auf das Lager stürmten. ähnlich wie in Schottlands Englands Stonehenge gibt es auf Palau einen Ort, an dem Steinquader von etwa 2-3Metern Höhe in Kreisform angeordnet sind. Eine richtige Erklärung haben die Wissenschaflter hier, wie auch in Stonehenge, nicht dafür. Man vermutet religiöse Gründe, aber es ist offensichtlich auch so, dass dieser Ort nie fertiggstellt wurde. Jedenfalls sind die Steine nicht aus Palau, reife Leistung der Bootsleute von damals. Ansonsten gibt es jede Menge Hinterlassenschaften aus dem 2. Weltkrieg, die mitunter ganz interessant sind. Von den besonderen Wracks, die man abtauchen kann, wird viel erzählt, ich habe leider nicht alle Ecken abgetaucht, aber Fotos gesehen.

Koror, die Hauptstadt von Palau ist ein kleiner Ort, mit einer Hauptstrasse und einigen kleinen Nebenstrassen. Nix los hier, nach 7 Uhr abends, die mörderische Hitze wabert immer noch durch den Ort und die vielen Karaokebars fallen mir auf. Dass es hier viele chinesische, koreanische, taiwanesische und japanische Touristen gibt ist mir zwar aufgefallen, aber wollen die alle singen? Und wieso gehen da nur Kerle rein…? KTV- Karaoke TeleVision ist eine der Umschreibungen für Puff, die anderen sind Massagesalon, Pediküre/Maniküre oder so schlichte Namen wie “Venus Restaurant”. Ach so, ihr habt nix zu essen? Ok, dann geh ich wieder. Wie…bleiben…trinken…? Jungs, lasst Euch nicht verführen. Die Preise einer Massage kann Euch schnell ein paar Hände voll Dollars kosten. Lieber noch einen Tag Tauchen dranhängen.
Palau befindet sich, was die touristische Infrastruktur angeht, noch auf einem sehr niedrigen Level. Die drei, vier Luxushotels mit Preisen von $300-$1000 pro Nacht und die ebenfalls drei, vier hochklassigen Tauchshops mit tollen Touren und hohen Preisen, machen noch keinen interessanten Ort aus Koror. Die Menschen hier sind sehr freundlich, sprechen alle Englisch und sind durchaus bemüht. Aber von dem vielen Geld, das die Touris dort lassen, kommt kaum etwas unten an. Die Autos sind zum grossen Teil schrottreif und halten nur durch reine Gewohnheit und gutem Willen zusammen. Die Wirtschaftskrise hat Palau inzwischen erreicht und der Benzinpreis pro Gallone ist höher, als das Mindesteinkommen pro Stunde. Dennoch haben sich die Paulaner einen besonderen, listigen Humor und eine gute Menschensicht erhalten. So wurde ein Gesetz verabschiedet, das den Abschuss von fliegenden Vögeln verbietet. Als ein Einwohner dagegen verstiess und vor Gericht landete, hat er sehr glaubwürdig klargestellt, dass er sich strikt an das Gesetz gehalten habe. Der von ihm abgeschossene Vogel war im Landeanflug. Der Mann wurde freigesprochen und das Gesetz auf Vögel im Landeanflug erweitert.
Palau ist eine Reise wert, auch, wenn diese Reise viel Geld kostet, aber wer taucht oder gerne schnorchelt, sollte sich die Insel auf jeden Fall ansehen. Palau ist ein Paradies, wie man es nur sehr selten findet.

8 Antworten zu “Palau, Paradies mit Betelnüssen”

  1. Frank H. aus K. sagt:

    Hallo Thomas,
    absolut fantastische Bilder, gefallen uns sehr gut! Es ist immer schön bei dir mit auf der Reise zu sein :-) (du hast alles richtig gemacht!). Ab morgen werden wir dann auch zwei Wochen Urlaub im deutschen Norden machen, wie jedes Jahr einmal zum entspannen. Freuen uns immeer auf neue Berichte, bleib sauber und gesund

    Frank & Heike

  2. Rosenkranz Gaby sagt:

    Erstmal sind wir froh wieder von Dir zu lesen.Es ist atemberaubend schön, die Bilder sind fantastisch.3. Karte ist angekommen.Pass gut auf Dich auf. L.G. Gaby & Roland

  3. Marta sagt:

    Fernweh und Gänsehaut machen sich bei diesen Bildern und gelesenen Erlebnissen breit.

    Sonnige Grüße
    Marta

  4. Monika Scholl sagt:

    Hihihi…..so ne Gesetzesänderung für Vögel im Landeanflug würde in der Schweiz eine Abstimmung auf den Plan rufen.

    Die Inselbilder sind super genial. Da möchte man doch gleich auch hin.

    Weiterhin viel Spass.

    Monika

  5. Thomas sagt:

    Hallo Monika,
    ja ja, die Schweizer. Ein Besuch nach Palau würde glaube ich allen gut tun, also auch den Nicht- Schweizern. Es ist wirklich wundervoll. Liebe Grüsse an Chris, ich hoffe, sein Geschäft läuft..? Thomas

  6. Thomas sagt:

    Hallo Marta,
    kann ich gut verstehen, angesichts Deiner eigenen Reispläne sitzt Du sicher auf heissen Kohlen. Liebe Grüsse, jetzt aus Singapur, Thomas

  7. Schwester sagt:

    Seit wann ist Stonehenge in Schottland? Sind die umgezogen…. ? : )

  8. Thomas sagt:

    Liebste, danke für den Hinweis, du hast das “Easteregg” gefunden :) Natürlich sollte es heissen “England” oder besser noch hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Stonehenge
    Toto

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